Ahrweiler. Radprofi Nils Politt vom World-Tour-Team Katusha-Alpecin heißt der Sieger der 69. Auflage beim „Großen Osterpreis der Bade- und Rotweinstadt“. Nach 70 Runden und 84 Kilometern fuhr er als Erster über den Zielstrich bei diesem Radrennen in Ahrweiler und machte damit seinem Sportlichen Leiter Torsten Schmidt, der nur wenige Meter vom Zielbereich weg wohnt und selbst im Vorstand des ausrichtenden RSV „Sturmvogel“ Bad Neuenahr-Ahrweiler tätig ist, eine besondere Freude.

Dichtes Gedränge bei den Verfolgern: Doch am Ende konnten auch die Profis Christian Knees (Zweiter von rechts) und Niklas Zabel (rotes Trikot) den souveränen Sieg von Nils Politt vom World-Tour-Team Katusha-Alpecin beim 69. „Osterpreis“ des RSV „Sturmvogel“ Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht verhindern.

Die Freude beim Veranstalter um den neuen Vorsitzenden Marc Wurms war aber nicht nur deswegen groß, sondern vor allem auch wegen des großen Zuschauerinteresses. Erstmals seit 20 Jahren waren wieder Profis aus der World-Tour nach Ahrweiler gekommen und hatten dem Traditionsrennen eine ganz besondere Note verliehen. Rund 2000 Zuschauer standen beim Eliterennen an der Strecke.

Hatten die Senioren und Nachwuchsfahrer am Morgen noch mit nasskaltem Wetter zu kämpfen, zeigte sich nach Mittag sogar die Sonne und bescherte den Akteuren gute äußere Bedingungen auf dem 1,2 Kilometer langen Dreieckskurs. Mit Nils Politt und Niklas Zabel (Katusha-Alpecin), mit Christian Knees (Team Sky), Lennard Kemna und Nikias Arndt (Team Sunweb) standen gleich fünf Profis aus der ersten Liga des Radsports am Start. Zwei davon zögerten nicht lange und setzten bereits nach vier Runden die entscheidende Attacke. Arndt und Politt hatten dabei noch den 27-jährigen Betzdorfer Christian Noll vom Team Lotto-Kern-Haus im Schlepptau und bauten ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Zur Hälfte des Rennens, das mit einem Stundenmittel von 45 Kilometern gefahren wurde, betrug der Vorsprung schon fast eine Minute. Nach 50 Runden überrundete die Spitzengruppe schließlich das Feld. Politt nutzte diese Gelegenheit, schoss wie ein Blitz durch alle Fahrer, ließ seine bisherigen beiden Begleiter zurück, hatte dafür aber mit Zabel seinen zwar bereits überrundeten Teamkollegen und vier weitere Fahrer, darunter mit dem 20-jährige Nico Brenner auch ein RSV-Eigengewächs und den Dritten des Vorjahres, an seiner Seite. Ebenfalls mit dabei war der Sieger 2016, Joshua Huppertz (Lotto-Kern-Haus). Diese Sechsergruppe hielt den Vorsprung bis drei Runden vor Schluss, als dann vorzeitig eigens der Sprint um Platz vier ausgefahren wurde. Hier setzte sich Huppertz gegen Zabel durch. Brenner, der für das Kölner Team Dauner fährt, wurde beachtlicher Siebter. Als Solist gewann Politt nach 1:43:29 Stunden schließlich souverän vor Arndt und Noll. „Niklas Zabel ist ein endschneller Mann, den musste ich vorher loswerden Das ist mit auch gelungen. Nicht nur, weil ich gewonnen habe, hat es bei dieser tollen Zuschauerkulisse richtig Spaß gemacht, hier zu fahren“, resümierte der Sieger. Und der Zweite Arndt meinte: „Nils Politt hat mir richtig wehgetan. Sein Schlüssel zum Erfolg war der Durchmarsch nach der Überrundung.“ Noll konnte es derweil gar nicht fassen, in Ahrweiler auf dem Siegertreppchen zu stehen: „Ich bin überglücklich. Das ist für mich unfassbar.“ Und auch Lokalmatador Brenner strahlte: „Dieser siebte Platz in diesem saustarken Feld ist sportlich viel höher zu bewerten als Platz drei im letzten Jahr.“

Zufriedene Gesichter überall, auch bei Wurms: „Das Interesse am Rennen ist gegenüber den vergangenen Jahren gewaltig gestiegen. Die neue Idee mit einigen Profis am Start hat sich absolut bewährt.“ Knees, der nur wenige Kilometer entfernt in Rheinbach wohnt, hatte schon vor dem Start betont, wie wichtig diese lokalen Rennen für den Rennsport in Deutschland seien: „Der RSV ist auf dem richtigen Weg. Als Jugendlicher habe ich hier schon gewonnen und stehe auch als Profi jetzt sehr gerne hier am Start. Vor allem für den Nachwuchs sind solche Veranstaltungen ganz wichtig.“ Er sagte damit das, was auch die Ex-Radprofis Torsten Schmidt, sein Sohn Jesper wurde in der U 13 hinter Sina Temmen aus Düsseldorf übrigens Zweiter, und Björn Glasner als Mitorganisatoren in diesem Renntag sehen. „Wir wollen den Zuschauern tollen Rennsport bieten – und das aber über alle Altersklassen hinweg.“ Die weiteren Sieger: Senioren zwischen 40 und 59 Jahren: Dirk Trautmann (Komet Köln); Senioren ab 60 Jahre: Ron Paffen (Computron); Frauen: Daniela Gaß (RSV Rülzheim); U 19-Junioren Sebastian Stamm (VfR Büttgen); U 19-Juniorinnen Lea Teutenberg (FC Lexxi); U 17 Tim-Tom Teutenberg (FC Lexi); U 15-Schüler: Niklas Bingel (Oranie-Nassau); C-Klasse: René Otterbein (SG Radschläger Düsseldorf) vor Hardy Zimmermann (Squadra Ciclismo Colonia).

 

Alfons Benz